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Baukultur-Video: Tom Avermaete über ressourcenbewusste Planung

Prof. Tom Avermaete an der Tagung «Baukultur back to the future» in Lugano über «Reciprocal Urban Design» © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

31 mars 2025
Stiftung Baukultur Schweiz | Feuilleton

Baukultur-Video: Tom Avermaete über ressourcenbewusste Planung

Neu veröffentlichen wir ausgewählte Beiträge auch als Videoformate – zugänglich über die Kanäle der Stiftung Baukultur Schweiz. Das erste längere Baukultur-Video stammt von unserer Tagung 2024 in Mendrisio und Lugano. ETH-Professor Tom Avermaete hält darin ein Plädoyer für die Rolle von Ressourcen in der Stadtplanung.

Die Jahrestagung 2024 im Tessin bot inhaltlich sehr viele Anhaltspunkte für die Förderung von Baukultur in der Schweiz. Unter dem Titel «Baukultur back to the future» diskutierten Expert:innen aus Planung und Politik über die Wechselwirkungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Baukultur. Mit unseren neuen Videoveröffentlichungen möchten wir dieses Wissen auch jenen zugänglich machen, die nicht vor Ort dabei waren. Ein Highlight der Tagung war der Beitrag von Stiftungsrat Tom Avermaete, der an der ETH Zürich den Lehrstuhl für Geschichte und Theorie des Städtebaus innehat.

Das ganze Video von Tom Avermaete ist jetzt online

Reziproke Stadtgestaltung

Avermaete basierte seinen Vortrag auf der Beobachtung, dass Architektur und Stadtplanung oft von einer Art «Ressourcen-Amnesie» geprägt sind – das heisst, dass Baumaterialien, handwerkliches Wissen und natürliche Ressourcen zu oft als selbstverständlich betrachtet werden. Sein Konzept des «Reciprocal Urban Design» – auf Deutsch etwa «reziproke Stadtgestaltung» – schlägt einen Perspektivenwechsel vor: Stadtgestaltung soll nicht nur aus Ideen erwachsen, sondern aus dem bewussten Umgang mit den vorhandenen Ressourcen eines Ortes. Denn gerade heute ist es wichtig, neue Entwurfshaltungen zu entwickeln, die auf Ressourcenknappheit und Klimawandel konstruktiv reagieren können. Reziprok – also wechselseitig – betont das gegenseitige Aufeinander beziehen von Ressourcen und Planung.

Baukultur-Video: Tom Avermaete über ressourcenbewusste Planung

Tom Avermaete begrüsst das Publikum in Lugano – Auftakt zu seinem Vortrag über reziproke Stadtgestaltung © Stiftung Baukultur Schweiz - Fotograf: Conrad von Schubert

Historisches Beispiel: Pariser Untergrund

Anhand historischer Beispiele zeigte Avermaete auf, wie die Auseinandersetzung mit vorhandenen Ressourcen die Stadtgestaltung prägen kann. Ein eindrucksvolles Beispiel findet sich in der Arbeit «Paris souterrain: formation et composition du sol de Paris» aus dem Jahr 1908 von Émile Gérards. Darin dokumentiert Gérards anhand von Kartenmaterial und präzisen Beschreibungen das Vorkommen natürlicher Ressourcen wie Gips und Stein rund um Paris. Die Produktion von Gips im Nordosten der Stadt beförderte ab den 1760er-Jahren das städtische Wachstum. Gérards Arbeit steht exemplarisch für eine wenig bekannte Planungsgeschichte, die sich an den geologischen und materiellen Gegebenheiten eines Ortes orientiert – im Gegensatz zur lange vorherrschenden Ausrichtung auf Idee, Form und Komposition.

Baukultur-Video: Tom Avermaete über ressourcenbewusste Planung

Karte aus der Arbeit «Paris souterrain: formation et composition du sol de Paris» (1908)

Ressourcenbewusst Planen

Avermaete plädierte dafür, die Rolle von Planer:innen neu zu definieren: nicht als Urheber:innen formaler Visionen, sondern als Vermittler:innen zwischen den Ressourcen eines Ortes und dessen möglicher Entwicklung. Statt lediglich Ideen einem Ort überzustülpen, müssen Stadtplaner:innen und Architekt:innen also ein Gespür für vorhandene Ressourcen entwickeln und verstehen, wie sie daraus Potential schöpfen können. Dazu gehören nicht nur natürliche Ressourcen wie Wasser oder Wind, oder das Vorkommen von lokalen Baumaterialien, sondern auch Wissen über technische Möglichkeiten wie etwa geeignete Handwerkspraktiken.

Baukultur-Videos: Fortsetzung folgt

Das ganze Video mit Tom Avermaete ist jetzt auch auf den Video-Kanälen der Stiftung Baukultur Schweiz – YouTube und Vimeo – abrufbar. Wenn es Ihnen gefällt, dürfen Sie uns gerne ein Like oder einen Kommentar hinterlassen. Abonnieren Sie unsere Kanäle, um regelmässig über Neuerscheinungen informiert zu werden und weitere spannende Inhalte zu Baukultur zu entdecken.

Jahrestagung 2025

Falls Sie an unserer nächsten Jahrestagung selbst gerne dabei sein möchten, können Sie sich bereits den 12. und 13. November 2025 vormerken. In Partnerschaft mit dem Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen (s/bf-HSG) laden wir nach St.Gallen ein, um die Zusammenhänge zwischen Baukultur und wirtschaftlichen Aspekten zu beleuchten. Unter dem Titel «Baukultur und Rendite» diskutieren wir, wie sich ökonomische und baukulturelle Werte verbinden lassen.

Wir freuen uns auf Sie.

Caroline Tanner

Caroline Tanner ist Architektin, Autorin und Philosophin. Sie studierte Architektur an der ETH Zürich und arbeitete mehrere Jahre als Architekturjournalistin bei den NZZ Fachmedien. 2024 hat sie den «Master in Geschichte und Philosophie des Wissens» mit einer Arbeit in Architekturphilosophie mit der Bestnote abgeschlossen.

Caroline Tanner

Stiftung Baukultur Schweiz

Die Stiftung Baukultur Schweiz ist eine nationale, neutrale und politisch unabhängige Stiftung. Im Frühjahr 2020 gegründet, bringt sie Akteure zusammen, schafft Plattformen, initiiert Prozesse und macht sich stark für jene, welche die Grundlagen der Baukultur inhaltlich ausarbeiten oder diese in der Praxis umsetzen.

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